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Angebote zur Unterstützung im Alltag

Der Entlastungsbetrag für alle Pflegegrade

Zwei ältere Damen gehen gemeinsam spazieren und zeigen beide gleichzeitig auf etwas. © Sibylle Kölmel

Hier erfahren Sie, was der Entlastungsbeitrag beinhaltet und wofür man die monatlichen 125 Euro zweckgebunden zur Unterstützung im Alltag einsetzen kann. Möglich sind:

  • Leistungen der Tages- oder Nachtpflege
  • Leistungen der Kurzzeitpflege
  • Leistungen der ambulanten Pflegedienste, in den Pflegegraden 2 bis 5 jedoch nicht von Leistungen im Bereich der Selbstversorgung
  • Leistungen der nach Landesrecht anerkannten Angebote zur Unterstützung im Alltag

Angebote zur Unterstützung im Alltag werden im Freistaat Sachsen nach der Sächsischen Pflegeunterstützungsverordnung anerkannt. Die Verordnung ist am 31. Dezember 2021 in Kraft getreten. Neben der Anerkennung von Unterstützungsangeboten sind dort deren Förderung sowie die Förderung von Initiativen des Ehrenamtes, der Selbsthilfe, von Nachbarschaftshelferkontaktstellen und Modellvorhaben geregelt.

Häufig gestellte Fragen und Antworten zur Sächsischen Pflegeunterstützungsverordnung

Angebotsarten

Betreuungsangebote sind Angebote, in denen vorrangig ehrenamtlich Helfende unter pflegefachlicher Anleitung die Betreuung von Pflegebedürftigen mit allgemeinem oder mit besonderem Betreuungsbedarf in Gruppen oder im häuslichen Bereich übernehmen.

Betreuungsangebote sind insbesondere:
1. Helferinnen- und Helferkreise zur stundenweisen Entlastung pflegender Angehöriger oder vergleichbar nahestehender Pflegepersonen im häuslichen Bereich,
2. Betreuungsgruppen für an Demenz erkrankte Menschen mit mindestens Pflegegrad 1,
3. Tagesbetreuung in Kleingruppen oder Einzelbetreuung durch Helfende,
4. familienentlastende Dienste,
5. Agenturen zur Vermittlung von Betreuungs- und Entlastungsleistungen für Pflegebedürftige und pflegende Angehörige sowie vergleichbar nahestehende Pflegepersonen.
 

Angebote zur Entlastung von Pflegenden dienen der gezielten Entlastung und beratenden Unterstützung von pflegenden Angehörigen und vergleichbar nahestehenden Pflegepersonen in ihrer Eigenschaft als Pflegende. Angebote zur Entlastung von Pflegenden sind insbesondere Angebote der kontinuierlichen und qualifizierten Begleitung bei der Pflege.

Angebote zur Entlastung von Pflegebedürftigen im Alltag dienen dazu, die Pflegebedürftigen bei der Bewältigung von allgemeinen oder pflegebedingten Anforderungen des Alltags, bei der Haushaltsführung, oder bei der eigenverantwortlichen Organisation individuell benötigter Hilfeleistungen zu unterstützen. Angebote zur Entlastung von Pflegebedürftigen im Alltag sind insbesondere:

1. Serviceangebote für haushaltsnahe Dienstleistungen,

2. Angebote der kontinuierlichen und qualifizierten Begleitung im Alltag,

3. Fahrdienste.

Beispielhafte Tätigkeiten können hierbei sein: Reinigungsarbeiten, Wäschepflege, Erledigung des Einkaufs, Spaziergänge, Begleitung zum Arzt oder anderen Terminen.

Keine Angebote zur Entlastung von Pflegebedürftigen im Alltag sind haushaltsnahe Dienstleistungen ohne konkreten Bezug zur täglichen Versorgung, insbesondere Angebote zur Instandhaltung von Gebäuden und Außenanlagen, Handwerksleistungen, Gartenarbeiten und Autowäsche.

Anerkennung

Einzelpersonen können nach der Sächsischen Pflegeunterstützungsverordnung nur noch als Nachbarschaftshelferin oder Nachbarschaftshelfer über die Pflegekassen anerkannt werden. Eine Anerkennung über den Kommunalen Sozialverband Sachsen ist nicht möglich, da zum einen für die Verlässlichkeit und Vertretung im Angebot mindestens eine weitere Person vorzuhalten ist. Weiterhin bestehen Angebote nach der Verordnung aus mindestens einer Fachkraft und einem Helfenden.

Grundsätzlich können Kooperationen zwischen zwei oder mehr Anbietern geschlossen werden. Dies entbindet die Anbieter jedoch nicht davon, die Anerkennungsvoraussetzung selber zu erfüllen. Das bedeutet, es müssen auch vom Anbieter selbst mindestens zwei Personen vorgehalten werden, wovon eine als Fachkraft gelten muss.

Die Anerkennung ist nicht befristet.

Für Angebote, die Pflegebedürftige in einer separaten Räumlichkeit betreuen, gilt, dass die entsprechenden Räume für das Angebot hinsichtlich der Größe, Barrierefreiheit etc. geeignet sein müssen. Eine pauschale Aussage hierzu ist nicht möglich, da stets das individuelle Konzept betrachtet werden muss.

Ein erneuter Antrag auf Anerkennung ist nur zulässig, wenn innerhalb der letzten zwei Jahre vor Antragstellung kein Widerruf erfolgt ist, dessen Gründe der Anbieter zu vertreten hat.

Der Kommunale Sozialverband Sachsen trifft die Entscheidung über den Antrag auf Anerkennung aufgrund der vorgelegten Unterlagen. Soweit sich im Nachgang Änderungen im Angebot ergeben, sind diese dem Kommunalen Sozialverband Sachsen unverzüglich mitzuteilen, damit geprüft werden kann, ob die Anerkennungsvoraussetzungen weiterhin vorliegen. 

Die Anbieter nach § 8 und 9 sind verpflichtet, bis zum 31. Januar des Folgejahres einen Tätigkeitsbericht bei der Bewilligungsbehörde einzureichen. Darin ist auf ausgewählte Themen einzugehen, die für die Bewilligungsbehörde im Rahmen der dauerhaften Anerkennung relevant sind und die durch das Staatsministerium für Soziales und Gesellschaftlichen Zusammenhalt für statistische Zwecke und zur Auswertung benötigt werden.

Preisgestaltung

Auf Grund des § 45a Absatz 3 Satz 1 in Verbindung mit Satz 2 des § 45b Absatz 4 Satz 2, § 45c Absatz 7 Satz 5 sowie § 45d Satz 17 in Verbindung mit § 45c Absatz 7 Satz 5 des Elften Buches Sozialgesetzbuch - Soziale Pflegeversicherung - (Artikel 1 des Gesetzes vom 26. Mai 1994, BGBl. I S. 1014, 1015) werden die Landesregierungen ermächtigt, durch Rechtsverordnung das Nähere über die Anerkennung der Angebote zur Unterstützung im Alltag einschließlich der Vorgaben zur regelmäßigen Qualitätssicherung der Angebote und zur regelmäßigen Übermittlung einer Übersicht über die aktuell angebotenen Leistungen und die Höhe der hierfür erhobenen Kosten zu bestimmen. Das bedeutet, jedes Bundesland ist berechtigt eigene Regelungen zu treffen.

Pflegebedürftige in häuslicher Pflege haben Anspruch auf einen Entlastungsbetrag in Höhe von bis zu 125 Euro monatlich. Der Betrag ist zweckgebunden einzusetzen für qualitätsgesicherte Leistungen zur Entlastung pflegender Angehöriger und vergleichbar Nahestehender in ihrer Eigenschaft als Pflegende sowie zur Förderung der Selbständigkeit und Selbstbestimmtheit der Pflegebedürftigen bei der Gestaltung ihres Alltags. Dies sind insbesondere Angebote zur Unterstützung im Alltag.

Der Entlastungsbetrag selbst wird durch die Einzahlung aller Versicherten als Solidargemeinschaft in die Pflegeversicherung finanziert.

In den letzten Jahren hat sich gezeigt, dass die Anbieter den Pflegebedürftigen Preise in Rechnung stellen, die dem Sinn und Zweck zuwiderlaufen, mit dem Entlastungsbetrag den Pflegebedürftigen eine kontinuierliche und spürbare Unterstützung zukommen zu lassen, um einen möglichst langen Verbleib in der eigenen Häuslichkeit zu ermöglichen.

Vor diesem Hintergrund war es angezeigt, im Rahmen der Erstellung der Pflegeunterstützungsverordnung Preisobergrenzen einzuführen.

Grundsätzlich gilt für Betreuungs- und Entlastungsangebote die allgemeine Preisobergrenze von 31,25 Euro je Stunde.

Ausnahmen bilden hierbei gruppenbezogene Angebote, die gleichzeitig drei oder mehr anspruchsberechtigten Personen zugutekommen (20,00 Euro pro Stunde) und Serviceangebote für haushaltsnahe Dienstleistungen (26,00 Euro pro Stunde).

Das bedeutet, sonstige Entlastungsangebote, wie beispielsweise Angebote zur Entlastung von Pflegenden oder Angebote zur Begleitung im Alltag, fallen nicht unter die Deckelung von 26,00 Euro pro Stunde. Für sie gilt die allgemeine Preisobergrenze von 31,25 Euro pro Stunde.

Für Betreuungs- und Entlastungsangebote gilt die allgemeine Preisobergrenze von 31,25 Euro je Stunde.

Bei der Ermittlung der allgemeinen Preisobergrenze wurde von einem Mindestentgelt von 15,40 Euro nach der 4. Pflegearbeitsbedingungenverordnung ausgegangen. Dabei dienten zur Orientierung die Werte, die ab April 2022 gelten. Nach dem Gehaltsrechner der AOK ergibt sich daraus eine Netto-Arbeitgeberbelastung von 18,92 Euro. Mit der Unfallversicherung ergibt sich eine Arbeitgeberbelastung von rund 19,20 Euro.

Für die Ermittlung der weiteren anfallenden Kosten wurde auf eine Beispielrechnung auf der Internetseite »Hilfe-im-Haushalt« des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) zurückgegriffen. Danach werden noch die Positionen Gemeinkosten, Urlaub/Krankheit und Sonderzahlungen sowie Unternehmensgewinn mit einbezogen.

Für Urlaub, Ausfallzeiten wegen Krankheit und der Sonderzahlungen (Weihnachtsgeld) wurden von dem Stundensatz 3,40 Euro veranschlagt.

Unter die Gemeinkosten fallen zum Beispiel Verwaltung und Management, Betriebskosten, Steuern oder Mitgliedschaften bei Interessenvertretungen.

Die Gemeinkosten sind mit 6,00 Euro veranschlagt.

Als Unternehmensgewinn werden 2,62 Euro veranschlagt.

Daraus ergibt sich ein Gesamtbetrag von 31,22 Euro. Gerundet ergibt sich daraus der Höchstbetrag von 31,25 Euro je Betreuungs- und Entlastungsstunde.

Für haushaltsnahe Dienstleistungen wurde die Preisobergrenze auf 26,00 Euro festgelegt. Hier wird von einem Mindestentgelt von 12,55 Euro nach der 4. Pflegearbeitsbedingungenverordnung ausgegangen. Dabei dienten zur Orientierung die Werte, die ab April 2022 gelten. Auch hier wurde auf die Internetseite »Hilfe-im-Haushalt« des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) zurückgegriffen.

Nach dem Gehaltsrechner der AOK ergibt sich daraus eine Netto-Arbeitgeberbelastung von 15,00 Euro. Mit der Unfallversicherung ergibt sich eine Arbeitgeberbelastung von rund 15,20 Euro.

Für Urlaub, Ausfallzeiten wegen Krankheit und der Sonderzahlungen (Weihnachtsgeld) wurden von dem Stundensatz 2,77 Euro veranschlagt.

Unter die Gemeinkosten fallen zum Beispiel Verwaltung und Management, Betriebskosten, Steuern oder Mitgliedschaften bei Interessenvertretungen.

Die Gemeinkosten sind mit 4,90 Euro veranschlagt.

Als Unternehmensgewinn werden noch 2,13 Euro veranschlagt.

Daraus ergibt sich ein Gesamtbetrag von 25,00 Euro. Der Höchstbetrag wurde mit 26,00 Euro je Stunde festgesetzt.

Bei haushaltsnahen Dienstleistungen handelt es sich um grundsätzlich nicht vergleichbare Tätigkeiten zu den übrigen benannten Tätigkeiten nach § 45a Absatz 1 Satz 2 Sozialgesetzbuch, Elftes Buch (SGB XI).

Insbesondere Betreuungsangebote, Angebote zur Entlastung von Pflegenden oder Angebote der kontinuierlichen und qualifizierten Begleitung im Alltag bedürfen einer qualifizierteren fachlichen Struktur innerhalb des Angebotes als reine haushaltsnahe Dienstleistungen. Bei ihnen steht entweder der betreuerische bzw. begleitende Aspekt oder die gehobene Verantwortung in der Anleitung und Beratung der Pflegenden im Fokus. Besonders die Betreuung von an Demenz erkrankten Personen erfordert speziell ausgerichtete Angebote.

Beispielsweise können in Agenturen zur Vermittlung von Betreuungs- und Entlastungsleistungen für Pflegebedürftige und pflegende Angehörige sowie vergleichbar nahestehende Pflegepersonen und in Angeboten zur Entlastung von Pflegenden, die die Pflegebegleitung zum Gegenstand haben, Helfende nur Fachkräfte sein.

Als Fachkräfte kommen hierfür nur Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner, Gesundheits- und Krankenpflegerinnen sowie Gesundheits- und Krankenpfleger, Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerinnen sowie Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger oder Altenpflegerinnen und Altenpfleger in Betracht.

Diese Fachkräfte bedürfen aufgrund ihrer Qualifikation und Verantwortung, die sie tragen, einer anderen Entlohnung als Personen, deren Angebot darauf begrenzt ist, die Wohnung zu reinigen. Diese Tätigkeiten werden in der Regel nicht von den oben genannten Fachkräften erledigt.

Ja. Angemessene Fahrtkosten können dem Pflegebedürftigen zusätzlich in Rechnung gestellt werden. Deren Berechnung ist dem Kommunalen Sozialverband Sachsen vorzulegen und von diesem zu bestätigen.

Für die Berechnung der Angemessenheit der Fahrtkosten sind drei Varianten möglich. Der Anbieter hat sich für eine davon bei Anerkennung zu entscheiden.

1. Die Fahrtkosten können im Preis des Angebotes innerhalb der Preisobergrenze enthalten sein.

2. Die Fahrtkosten können anhand der Regelungen des Sächsischen Reisekostengesetzes hinsichtlich der Wegstrecken- und Mitnahmeentschädigung bei typischerweise im Außendienst verübten Tätigkeiten berechnet werden. Das heißt, es können 0,30 Euro je Kilometer in Ansatz gebracht werden.

3. Der Anbieter kann eine eigene allgemeine Pauschale für die An- und Abfahrt zur Leistungserbringung berechnen. Diese basiert auf seiner Kalkulation. Die Pauschale sollte knapp, aber auskömmlich bemessen sei. Berücksichtigt werden muss, dass nicht jeder Einsatz vom Sitz des Anbieters startet und eine wirtschaftliche Routenplanung durch diesen durchgeführt wird. Wenn der Anbieter sich für die Variante der Pauschale entscheidet, dann muss die Berechnung dieser im Konzept detailliert dargelegt werden. In der Pauschale können auch anteilige Lohnkosten aufgenommen werden.

Nein. Insbesondere die Personalkosten für die notwendige Fachkraft sind - da diese ebenfalls als Helfende gilt, das heißt im Angebot bei den Pflegebedürftigen zum Einsatz kommt - in der Preiskalkulation umfasst. Die der pflegebedürftigen Person in Rechnung gestellten Kosten sind als abschließender Gesamtbetrag anzusehen. Das bedeutet, außer Fahrkosten können der pflegebedürftigen Person keine zusätzlichen Kosten in Rechnung gestellt werden.

Ja. Die Preisobergrenzen werden aller zwei Jahre überprüft. Die nächste Überprüfung findet im Jahr 2023 statt.

Fahrdienste

Die Vorschriften des Personenbeförderungsgesetzes (PBefG) gelten für alle entgeltlichen oder geschäftsmäßigen Beförderungen von Personen mit Kraftfahrzeugen (vergleiche § 1 PBefG).

Es gilt nicht bei Beförderung mit einem Personenkraftwagen, der nach seiner Bauart und Ausstattung zur Beförderung von nicht mehr als neun Personen (einschließlich Fahrzeugführer) geeignet und bestimmt ist. Weiterhin muss die Fahrt entweder unentgeltlich erfolgen oder das Gesamtentgelt (Summe aller von den Fahrgästen erlangter Einzelentgelte) darf den in § 5 Absatz 2 Satz 1 des Bundesreisekostengesetzes genannten Betrag (derzeit 0,30 EUR/je Kilometer) nicht übersteigen.

Bei professionellen Fahrdiensten erfolgt die Erbringung der Fahrdienstleistung in der Regel entgeltlich und geschäftsmäßig. In diesem Fall ist eine Fahrerlaubnis zur Fahrgastbeförderung notwendig.

Wichtig ist auch: Wird die Fahrdienstleistung beworben, um zum Beispiel Kunden zu gewinnen, liegt eine geschäftsmäßige Beförderung vor – auch wenn die Beförderung kostenlos erfolgt!

Eine Erlaubnis zur Fahrgastbeförderung ist unter Einhaltung aller folgenden Voraussetzungen nicht notwendig:

  • keine regelmäßigen Fahrten (dann Geschäftsmäßigkeit),
  • keine Bewerbung der Beförderungsleistung,
  • kein Entgelt oder sonstige Gegenleistung durch den Fahrgast neben dem Entgelt für die Betreuungs-/ Entlastungsstunde,
  • wenn Entgelt, dann nicht höher als die im Bundesreisekostengesetz genannte Wegstreckenentschädigung von derzeit 0,30 EUR/km,
  • kein Pkw mit mehr als 9 Sitzplätzen und
  • kein Krankenkraftwagen oder
  • wenn bereits Fahrerlaubnis Klasse D/D1 vorhanden ist (außer Taxi)

Der Anbieter muss dem KSV im Konzept darlegen, ob und inwieweit seine Angebotsform betroffen ist.

Anwendung der Verordnung auf Pflegeeinrichtungen nach §§ 71 f. SGB XI

Für ambulante Pflegedienste bestehen zwei Möglichkeiten, den Entlastungsbetrag im Rahmen des § 45b SGB XI abzurechnen.

 

  1. Ambulante Pflegedienste können ihre erbrachten Leistungen aufgrund des mit den Pflegekassen geschlossenen Versorgungsvertrages abrechnen. Die Abrechnung hat sich an der Höhe der Vergütung vergleichbarer Sachleistungen aus dem im Freistaat Sachsen geltenden Leistungskomplexe-System zu orientieren In diesem Fall findet die Sächsische Pflegeunterstützungsverordnung keine Anwendung.  
  2. Möchten Pflegedienste außerhalb des geltenden Leistungskomplexe-Systems erbrachte Leistungen i. S. d. § 45a SGB XI abrechnen, müssen sie die Voraussetzungen des § 6 Absatz 2 SächsPflUVO erfüllen. Sie müssen ihre Kontaktdaten im PflegeNetz Sachsen veröffentlichen und die Regelungen zu den Preisobergrenzen nach § 8 Absatz 2 und § 9 Absatz 2 SächsPflUVO einhalten.

Nein, Pflegeeinrichtungen müssen keinen Tätigkeitsbericht beim KSV einreichen, da sie nicht das entsprechende Anerkennungsverfahren durchlaufen müssen.

Schulungen

Die Kosten sind entweder vom Anbieter selbst zu tragen oder die Helfenden bringen die benötigte Qualifikation mit. Im Rahmen der Förderung in der Auf- und Ausbauphase sind die Schulungskosten förderfähig.

Die Inhalte orientieren sich an § 8 Absatz 1 Nummer 4 und Nummer 5 und § 9 Absatz 1 Nummer 5 SächsPflUVO. Im Schulungscurriculum sind diese detailliert dargestellt. 

Die Weiterbildung »Behandlungspflege LG I« kann in Verbindung mit dem Nachweis pflegerischer Erfahrungen als Basisschulung anerkannt werden.

Für die beiden Angebotsarten sind bislang keine Vorgaben hinsichtlich einer Basisschulung gemacht worden. Die Angebote unterscheiden sich zum reinen Entlastungsangebot dadurch, dass hier eine direkte Interaktion mit dem Pflegebedürftigen stattfindet. Vor diesem Hintergrund sind die Schulungsvorgaben unabdingbar. Sie sind für die Helfenden im Angebot bis zum 31.12.2022 nachzuweisen. Dabei können etwaige Vorkenntnisse, praktische Tätigkeiten sowie stattgefundene Schulungen vom Kommunalen Sozialverband Sachsen berücksichtigt werden.

Angebote zur Unterstützung im Alltag müssen nachweisen, dass die Helfenden mindestens eine Basisschulung von 40 Stunden bei Aufnahme ihrer Tätigkeit absolviert haben. Dieser Schulung ist ein Nachweis über eine vergleichbare Qualifikation gleichgestellt. Das heißt beispielsweise, Helfende, die eine Ausbildung als zusätzliche Betreuungskraft nach § 43b Sozialgesetzbuch, Elftes Buch (SGB XI) absolviert haben und somit 160 Stunden geschult worden sind, benötigen keine Basisschulung, um für den Anbieter tätig zu sein.

Wenn der Anbieter in der Lage ist, seine Helfenden vergleichbar einem externen Schulungsanbieter selbst zu schulen, kann diese Möglichkeit genutzt werden. Voraussetzung ist, dass er ein Konzept und dem Schulungsangebot entsprechende Fachkräfte vorhält sowie entsprechende Nachweise gegenüber dem Kommunalen Sozialverband Sachsen (KSV) erbringt. Die Helfenden sind vor Aufnahme ihrer Tätigkeit zu schulen. Dem KSV ist zudem der Nachweis der Schulung der Helfenden zu erbringen.

Eine Liste der externen Schulungsanbieter ist auf der Internetseite des Kommunalen Sozialverbandes Sachsen zu finden.

Im Schulungscurriculum gibt es eine Übersicht über die benötigten Inhalte der Basisschulung. Für die Erstellung eines Schulungskonzeptes gibt es dort eine Checkliste, die genutzt werden kann.

Bis zum 31.12.2019 wurden Anbieter von Entlastungsleistungen anerkannt, wenn sie unter anderem einen Nachbarschaftshelferkurs absolviert haben. Danach wurde die Anerkennung an eine 30-Stunden-Schulung geknüpft. Es ist davon auszugehen, dass Anbieter, die bis zum 30.12.2021 anerkannt worden sind, durch ihre Berufserfahrung bis zum 31.12.2022 (Dauer der Übergangsvorschrift) die nötige Qualifikation, die zur Basisschulung gleichwertig ist, erworben haben. Eine Schulung oder fehlende Stunden müssen nicht nachgeholt werden.

Fachkräfte und Helfende

Grundsätzlich muss entsprechend der individuellen Angebotskonzeption eine Fachkraft im Unterstützungsangebot tätig sein.

Soweit es sich um Angebote handelt, die speziell nur haushaltsnahe Dienstleistungen anbieten, kommt die Verordnung den Anbietern entgegen und ermöglicht es, dass als Fachkraft auch Hauswirtschafterinnen und Hauswirtschafter in Betracht kommen sowie Personen mit vergleichbaren Berufsabschlüssen und Personen, die über gleichwertige Erfahrungen oder Kenntnisse verfügen und diese nachweisen. Der Kommunale Sozialverband Sachsen entscheidet hierbei im Einzelfall, ob gleichwertige Erfahrungen und Kenntnisse vorliegen. Diese Erleichterungen gelten ausschließlich für haushaltsnahe Dienstleistungen. 

Wer als Fachkraft für ein Angebot tätig sein kann, ist jeweils im Einzelfall abhängig von dem speziellen Konzept, das umgesetzt werden soll, zu betrachten und von der Bewilligungsbehörde zu prüfen. 

Insbesondere kommen die folgenden Berufsgruppen in Betracht:
1.    Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner,
2.    Gesundheits- und Krankenpflegerinnen sowie Gesundheits- und Krankenpfleger,
3.    Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerinnen sowie Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger,
4.    Altenpflegerinnen und Altenpfleger,
5.    Erzieherinnen und Erzieher,
6.    Psychologinnen und Psychologen,
7.    Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen,
8.    Heilerziehungspflegerinnen und Heilerziehungspfleger,
9.    Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter,
10.  Gerontologinnen und Gerontologen.

Bei Angeboten, welche nur haushaltsnahe Dienstleistungen zum Gegenstand haben, kommen als Fachkraft auch Hauswirtschafterinnen und Hauswirtschafter in Betracht sowie Personen mit vergleichbaren Berufsabschlüssen und Personen, die über gleichwertige Erfahrungen oder Kenntnisse verfügen und diese nachweisen. 


Die Aufzählung der Berufsgruppen, die als Fachkraft gelten können, ist nicht abschließend. Beispielsweise können je nach Angebotskonzept auch Ergotherapeuten Fachkräfte sein. 

Bei der Einstufung des Berufsabschlusses als Fachkraft ist jeweils zu berücksichtigen, dass die Berufe nicht nur der Unterstützung der Pflegebedürftigen allgemein dienen, sondern auch der soziale, fürsorgende Kern, der den Berufsabschlüssen immanent ist, betrachtet wird.

Anders wäre jedoch die Frage im Kontext der Schulungen zu betrachten. Wenn Helfende hinsichtlich der Anforderungen nach § 8 Absatz 1 Nummer 4 geschult werden müssen, wird der Ergotherapeut diese nicht durchführen können, da er die fachlichen Bezüge nicht umfassend abdecken kann.
 

Die Aufzählung der Berufsgruppen, die nach der Sächsischen Pflegeunterstützungsverordnung als Fachkraft gelten können, ist nicht abschließend. Je nach Angebotskonzept können auch Ergotherapeuten Fachkräfte sein.

Förderung

Insbesondere sollen Anbieter gefördert werden, bei denen das bürgerschaftliche Engagement und nicht der Gewinnerzielungsaspekt im Vordergrund steht.

Anbieter, die bereits Leistungen der Tages-, Nacht-, Kurzzeit- oder der ambulanten Pflege vorhalten, sind von der Förderung ausgeschlossen, da bei ihnen davon ausgegangen werden kann, dass sie bereits am Markt etabliert sind und aufgrund dessen bereits einen Kundenstamm haben, den sie auch für das Unterstützungsangebot im Alltag gewinnen werden.

Nachbarschaftshelfer können keine Förderung erhalten. Sie sind einerseits als Einzelpersonen tätig, andererseits werden ihre Aus- und Fortbildungskosten von den Pflegekassen finanziert. Weitere Ausgaben bestehen nicht bzw. werden von der pauschalen Vergütung abgedeckt.

Anerkannte Angebote zur Unterstützung im Alltag können gefördert werden. Um den Anbietern den Beginn ihrer Tätigkeit zu erleichtern, können sie in ihrer Aufbauphase gefördert werden. Die Förderung ist nur innerhalb von zwei Jahren nach der erstmaligen Möglichkeit der Antragstellung nach Anerkennung möglich. Mit der Regelung soll gewährleistet werden, dass Anbieter ihren Kundenstamm aufbauen können, ohne die Ausgaben, die anfallen, allein tragen zu müssen. Nach einer Zeitspanne von zwei Jahren ist davon auszugehen, dass der Anbieter am Markt etabliert ist und rentabel arbeiten kann. Die anerkannten Angebote zur Unterstützung im Alltag sind im Gegensatz zu den anderen Fördergegenständen der Verordnung wirtschaftlich arbeitende Unternehmen, die kostendeckende Einnahmen generieren können. Diese Möglichkeit haben beispielsweise Selbsthilfegruppen, Initiativen des Ehrenamtes oder Nachbarschaftshelferkontaktstellen nicht.

Übergangsregelungen

Anerkennungen für Angebote zur Unterstützung im Alltag, die vor dem Inkrafttreten dieser Verordnung ausgesprochen wurden, behalten bis zum 31. Dezember 2022 ihre Gültigkeit. Dies gilt nur soweit sie die bisherigen Anerkennungsvoraussetzungen weiterhin erfüllen.

Angebote zur Unterstützung im Alltag müssen bis zum 31. Dezember 2022 nachweisen, dass sie auch die Voraussetzungen für eine Anerkennung nach der neuen Verordnung erfüllen. Mit dieser Regelung wird sichergestellt, dass alle Angebote im Freistaat Sachsen einen einheitlichen Standard aufweisen. Sollte der Nachweis nicht bis zum 31. Dezember 2022 durch das Angebot zur Unterstützung im Alltag gegenüber dem Kommunalen Sozialverband Sachsen erbracht worden sein, erlischt die Anerkennung automatisch. Dennoch erbrachte Leistungen werden von den Pflegekassen nicht mehr erstattet.

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